Wenn Scrollen depressiv macht

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Kind sitzt vor seinem Handy und scrollt durch Social Media

Für viele Jugendliche ist das Smartphone ein ständiger Begleiter. Laut der JIM-Studie 2025 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest verbringen 12- bis 19-Jährige durchschnittlich knapp vier Stunden täglich am Smartphone. Mit dem Alter steigt die Nutzungsdauer von weniger als drei Stunden bei den 12- bis 13-Jährigen auf mehr als viereinhalb Stunden bei den 18- bis 19-Jährigen. 
Obwohl die meisten Jugendlichen wissen, dass ihnen eine Pause guttun würde, fällt es ihnen schwer, das Handy bewusst wegzulegen. Rund 30 Prozent geben in der JIM-Studie an, morgens häufig müde zu sein, weil sie abends oder nachts zu lange am Smartphone bleiben. Doch welche Folgen hat dieser hohe Medienkonsum für die psychische Gesundheit?

Social Media und Depressionen

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen einen Zusammenhang zwischen intensiver Social-Media-Nutzung und psychischen Belastungen belegt. Jugendliche, die besonders viel Zeit in sozialen Netzwerken verbringen, berichten häufiger über depressive Symptome, Ängste oder Schlafprobleme.
Für eine große US-amerikanische Langzeitstudie, die 2025 im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlicht wurde, begleiteten Forschende fast 12.000 Kinder im Alter von neun bis zwölf Jahren über mehrere Jahre. Dabei untersuchten sie deren Social-Media-Konsum und ihr psychisches Wohlbefinden. Das Ergebnis: Nahm die tägliche Social-Media-Nutzung zu, litten die Kinder im folgenden Jahr häufiger unter depressiven Symptomen. Umgekehrt zeigte sich jedoch kein Hinweis darauf, dass bereits bestehende depressive Symptome zu einer stärkeren Nutzung sozialer Medien führten. Die Studie zeigt damit erstmals einen zeitlichen Zusammenhang zwischen steigendem Social-Media-Konsum und einer späteren Verschlechterung der psychischen Gesundheit.

Eine Social-Media-Pause kann helfen

Dass sich hingegen ein bewusster Umgang mit sozialen Medien positiv auswirken kann, zeigen die Zwischenergebnisse der neuen Social-Media-Detox-Studie des Universitätsklinikums Ulm. Für die Untersuchung begleiteten Forschende 131 junge Menschen zwischen 16 und 29 Jahren, die vor Beginn der Studie durchschnittlich mindestens vier Stunden täglich soziale Medien nutzten.
Ein Teil der Teilnehmenden reduzierte seine Social-Media-Zeit vier Wochen lang auf höchstens eine Stunde täglich. Bereits nach dieser kurzen Zeit empfanden die jungen Erwachsenen mehr Wohlbefinden und weniger Stress. Der Anteil der Teilnehmenden mit depressiven Symptomen sank von 41 auf 21 Prozent, Angstsymptome gingen von 34 auf 17 Prozent zurück. Gleichzeitig nahmen auch Schlafprobleme deutlich ab.
„Unsere Studie liefert erste Hinweise darauf, dass bereits eine zeitweise Reduktion der Social-Media-Nutzung, zumindest kurzzeitig, positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit junger Menschen haben kann“, betont Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm und Leiter der Studie. Deshalb sei es wichtig, „junge Menschen langfristig bei einem bewussten Umgang mit sozialen Medien zu unterstützen“.
 

Sozialer Druck und Cybermobbing

Warum Social Media die Psyche beeinflussen kann, wird derzeit intensiv erforscht. Fachleute vermuten mehrere Faktoren: ständige Vergleiche mit scheinbar perfekten Leben anderer, die Suche nach Likes und Anerkennung, Schlafmangel durch spätes Scrollen oder belastende Erfahrungen wie Cybermobbing. Hinzu kommt, dass viel Bildschirmzeit häufig zulasten von Bewegung, Hobbys oder persönlichen Begegnungen geht – alles Faktoren, die nachweislich die psychische Gesundheit stärken.

Was Eltern tun können

Ein generelles Smartphone-Verbot ist meist wenig hilfreich. Sinnvoller ist es, Jugendliche dabei zu unterstützen, ihre Mediennutzung bewusst zu gestalten. Dazu sollten Eltern …

  • mit ihren Kindern feste Bildschirmzeiten vereinbaren.
  • smartphonefreie Zeiten einführen, zum Beispiel beim Essen oder vor dem Schlafengehen.
  • gemeinsam über soziale Vergleiche, Filter und Algorithmen sprechen.
  • ausreichend Zeit für Sport, Hobbys und persönliche Treffen schaffen.
  • das eigene Medienverhalten reflektieren und Vorbild sein.
     

Tipp:

Ihr Kind ist ständig am Bildschirm oder ist psychisch belastet? Mit dem Programm „Clever für Kids“ bietet die BKK firmus unter anderem ein Mediensucht-Screening sowie ein Depressionsfrüherkennungsscreening für Kinder und Jugendliche.  

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